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Ein Stück Bremer Geschichte: Krankenhäuser als Gäste- und Asylhäuser

Die Entstehungsgeschichte von Krankenhäusern ist eng verbunden mit dem Auftreten von öffentlicher Armut, von Seuchen, insbesondere Lepra, Pest und Typhus und der Ausgrenzung von "Irren und Verrückten". Sie geht aus von den mittelalterlichen Gasthäusern und Asylen in der Hand geistlicher Kloster-Orden im 9. Jahrhundert. Zu dieser Zeit stiftete Ansgar in Bremen das St.-Jürgen-Gasthaus als bremisches Pilgerhaus zur Pflege Kranker. Stiftsgründungen von Armen-, Kranken- und Gasthäusern folgten im 16. und 17. Jahrhundert nach der Auflösung der Klöster im Zuge der Reformation. Schließlich wurden Mitte des 18. und 19. Jahrhunderts Krankenhäuser neuzeitlichen Stils gegründet. Es handelt sich um eine Entwicklung mit einer langen Tradition in der Pflege Kranker und Notleidender. Die neuen Formen der Krankenhausversorgung wurden notwendig, weil die Industrialisierung fortschritt und sich die Medizin zu einer naturwissenschaftlichen Disziplin entwickelte.

Eine historische Abbildung des 'Neuen Krankenhauses in Bremen'
Das erste Gebäude des heutigen Klinikums Bremn-Mitte (altes HNO-Gabäude), gegründet 1851 als Krankenhaus am Pagentorner Wisch

In Bremen entstanden im 12. und 13. Jahrhundert als klösterliche Fürsorgeeinrichtungen das St. Paul-, St. Johannis- und das Katharinen-Kloster mit der Auflage der Kirchenfürsten, Fremden eine Herberge zu geben, Arme zu speisen und Kranke zu pflegen. Im Zusammenhang mit der Reformation wurden u.a. das Remberti-Stift als Lepra-Haus und das St. Jürgen Gasthaus zunächst für alle anderen Leidenden, später dann vor allem zuständig für die Aufnahme von Geisteskranken gegründet. Diese Differenzierung und Schwerpunktsetzung in der Versorgung wurde möglich, weil das im Zuge der Reformation aufgehobene St. Johannis-Kloster in eine größere Versorgungsanstalt in der Nähe der Stadt umgewandelt und damit auch unter städtischen Schutz gestellt wurde. Dieser galt jedoch nicht für die ",Verrückten", die man besser vor den Toren der Stadt im St. Jürgen-Asyl und Gasthaus aufgehoben fand.
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Stifte und Gasthäuser standen in der mittelalterlichen Gründungsphase unter der besonderen Obhut des mit dem Erstarken der Stadt aufkommenden bremischen Bürgertums. Diese Einrichtungen wurden im wesentlichen durch seine Spenden und Zuwendungen anderer Art finanziert. Eine Unterstützung aus städtischer Kasse erhielten sie nicht. Die Stifte und Gasthäuser St. Johannis und St. Jürgen wurden schließlich fast dreihundert Jahre später, 1851, in dem Krankenhaus am Pagentorner Wisch (heute St.-Jürgen-Str.) zusammen geführt und somit Krankenanstalt und Irrenhaus als St. Jürgen-Asyl vereint.

Der Neubau des St. Jürgen-Asyl wurde übrigens aufgrund einer großzügigen Spende der Sparkasse zu Bremen in Höhe von 50.000 Talern ermöglicht. Eine öffentliche Förderung gab es damals noch nicht. Die Krankenhäuser übten sich in größtmöglicher Autarkie. Noch heute finden wir in damals gegründeten Häusern Vorrichtungen für z. B. eigene Bäckereien und Sattlereien.
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Die Vorläufer unserer heutigen Krankenhäuser bezogen ihre Einkünfte von Pflegegeldern der Selbstzahler, bestimmten Zinszahlungen und Verpachtungen von altem Klosterbesitz und der jährlichen Ochsenverlosung, dem sog. Klosterochsen. Eine wesentliche Einnahmequelle waren weiterhin die Vermächtnisse bremischer Bürger. Bis zur Jahrhundertwende konnte das Krankenhaus an der St.-Jürgen-Str. auf diese Weise als ,,milde Stiftung" betrieben werden. Danach gab es in Zusammenhang mit der Reichsversicherungsordnung und Sozialgesetzgebung finanzielle Belastungen, die die Auflösung der Stiftung und die Trägerschaft der Kommune erforderlich machten. Das Krankenhaus an der St.-Jürgen-Str. wurde zum städtischen Krankenhaus.
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Es folgten in Bremen weitere Krankenhausgründungen wie die des St. Joseph-Stift und der Diakonissenanstalt ca. 1870, des Willehadhauses, des heutigen Roten-Kreuz-Krankenhauses, im Jahr 1876 und des Standortlazaretts in der Mainstraße im Jahr 1881. In Bremerhaven begann 1877 das St. Joseph-Hospital mit der Hospitalpflege, 1881/1882 wurde das Städtische Krankenhaus Bremerhaven gebaut, 1905 folgte das Krankenhaus Lehe. Anfang dieses Jahrhunderts wurde dann in Bremen die Auslagerung der Psychiatrie aus dem St. Jürgen-Asyl vor die Tore der Stadt nach "Ellen" betrieben, dem heutigen Klinikum Bremen-Ost. Alle weiteren Neugründungen von Krankenhäusern in Bremen erfolgten erst wieder nach dem 2. Weltkrieg.

Dieser kurze geschichtliche Rückblick zeigt die Entstehung des Krankenhauses als Gasthaus und Asyl für Arme, unheilbar Kranke und Irre. Krankenhäuser sind Gasthäuser, die im Mittelpunkt sozialer und gesundheitlicher Probleme der jeweiligen Epoche stehen. Das ist die Botschaft ihrer Geschichte!